TecT@lk: Website in Flash?

06. Nov. 2004

Waren vor ein paar Jahren Internet-Seiten ausnahmslos in HTML realisiert, so sieht man in der letzten Zeit immer häufiger den Einsatz von Flash-Technologie. Dagegen wäre nicht einzuwenden, wenn der Einsatz gezielt wäre. Aber komplette Websites in Flash? Das ergibt zwar hübsche grafische Effekte, ist aber ansonsten ziemlich wertlos.

Was spricht gegen Flash-Technologie?

1. Flash ist kein offizieller Standard

Flash ist kein "genormter" Standard wie HTML. Um Flash in Ihrem Browser betrachten zu können, brauchen Sie ein spezielles Plug-In. Dieses ist zwar kostenlos und weit verbreitet, aber längst nicht alle Internetbenutzer haben es auch installiert. Diese Leute schließen Sie direkt aus.

Hinzu kommt das Versionsproblem. Flash-Applikationen, die mit einer Versionen erstellt wurden, benötigen auch das entsprechende Plug-In. Beim Aufruf einer Website werden Sie plötzlich zum Installieren aufgefordert oder Sie können nichts sehen.

2. Flash ist eine grafische Lösung

Alles ist Grafik, auch der Text. Damit ist ein entscheidender Vorteil des Internets weg: Eine Suchmaschine kann damit nichts anfangen. Wenn Sie sich also dafür entscheiden, Ihre Website komplett in Flash-Technologie erstellen zu lassen, verabschieden Sie sich gleichzeitig damit davon, jemals mit Ihrem Angebot in den Suchmaschinen aufzutauchen.

Auch andere Dienste versagen: Eine Adresse in mein Outlook kopieren? Geht nicht! Mir den Text vorlesen lassen (Es gibt auch blinde Mitbürger, die das Internet nutzen wollen)? Geht nicht! Eine Textpassage markieren und damit eine Google-Suche starten? Geht nicht! Längere Textstücke ausdrucken? Geht nicht!

3. Lange Ladezeiten

Sie kennen das: Bevor Sie etwas sehen, werden Sie erst einmal mit einem langen "Loading ..." abgespeist. Meist muss erst der komplette Flash-Film geladen werden, bevor überhaupt etwas sichtbar wird. Leute mit langsamen Internetverbindungen (und die sind noch in der Mehrzahl!) verabschieden sich dann gleich. Und kommen nie wieder!

4. Schlechte Lesbarkeit

Die Schrift sieht in Flash meistens "matschig" aus. Bei einem Betriebssystem wie Windows wird ein sehr hoher Aufwand getrieben, um Schrift möglichst scharf auf dem Bildschirm darzustellen. Flash nutzt diese Techniken nicht und versucht es mit geringerem Aufwand selbst zu machen. Das Ergebnis ist in der Darstellung aber deutlich schlechter.

5. Ungewöhnliche Navigationselemente

Häufig sieht man in Flash-Applikationen Neuschöpfungen von Bedienelementen wie Schaltflächen, Rollbalken etc. Bei aller Vorliebe für Design und Kreativität: Diese Dinge sind aus gutem Grunde Bestandteil des Betriebssystems und standardisiert. Wenn sich jeder Programm-Entwickler an den Standard hält, dann kann sich auch jeder Bediener schnell in ein neues Programm (oder der Navigation einer Website) einfühlen. Es funktioniert nämlich immer wieder auf die gleiche Art und Weise. Geräte können die Bedienbefehle ausführen. Ich habe z.B. eine Tastatur, die an der linken Seite ein kleiner Rollrad hat. Das Rollrad wirkt auf den vertikalen Rollbalken. So kann ich wunderbar mit dem linken Daumen durch lange Webseiten, Word-Dokumente, Excel-Tabellen etc. gleiten. Wenn ich dagegen in einer Flashseite einen etwas längeren Text betrachten will, muss ich eventuell Zeile für Zeile nach unten rollen. Jeweils ein Mausklick. Machen Sie das mal bei AGBs mit einem Umfang von ca. 3 Seiten A4 ! Kein Scherz. Neulich erlebt!

Bedienung mit der Tastatur (z.B. mit der Tabulatortaste zum nächsten Element springen? Geht nicht! Rolltasturen, Rollmäuse etc. ? Geht nicht! Bild rauf und Bild runter-Tasten? Funktionieren nicht! Es sei denn, der Flash-Programmierer hat mit hohem Aufwand die Standard-Funktionen nachprogrammiert. Wollen Sie das alles noch mal bezahlen, was schon Bestandteil Ihres Betriebssystems ist?

6. Der beschränkte Platz

Flash-Sites sehen meistens wie eine Foto in einem Passepartout-Rahmen aus. Der Flash-Entwickler muss sich für eine Seitengröße entscheiden. Meistens wird dann 640 x 480 oder 800 x 600 gewählt. Wenn Sie eine höhere Auflösung (z.B. 1024 x 758 oder höher) haben, dann ist die Website von beachtlichen leeren Flächen umgeben. Dafür dürfen Sie dann etwas längere Texte in einem Sehschlitz betrachten.

Was spricht für Flash-Technologie?

Da Flash doch recht häufig eingesetzt wird, scheint es nicht nur Nachteile zu haben. Ich sehe einen einzigen, aber gleichzeitig sehr großen Vorteil.

1. Grafische Effekte und Animationen

FlashMit Flash lassen sich sehr elegante grafische Effekte und Animationen realisieren. Damit lassen sich manche Dinge sehr viel anschaulicher darstellen und erklären, als mit reinem Text oder statischen Bildern. Rechts im Bild sehen Sie z.B. eine Anwendung des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zur Kommunalwahl 2004 in Nordrhein-Westfalen (NRW). Alle Landkreise von NRW sind angezeigt und beim Navigieren über die einzelen Gebiete erhielt man die jeweils aktuellen Wahlergebnisse. Eine schöne und nützliche Flash-Anwendung.

Aber Achtung: Wenn es nur der Effekthascherei wegen eingesetzt wird, schlägt die Wirkung ins Gegenteil um. Ein bewegliches Element oder Farbveränderungen, die beim ersten Mal hübsch anzuschauen sind, stören enorm, wenn ich jetzt in Ruhe den Inhalt lesen will. Das Auge wird ständig durch das bewegliche Element abgelenkt. Das stört und ermüdet.

Wie sehen die Alternativen aus?

Eine deutliche Alternative zu Flash sehe ich im SVG-Standard. SVG steht für Scaleable Vector Graphic. SVG beruht auf der bekannten XML-Technik. SVG produziert ähnlich elegante Bilder und Effekte wie Flash, vermeidet aber im wesentlichen deren Nachteile. Wie der Namenbestandteil "scaleable" aussagt, sind die Darstellungen skalierbar. Mit anderen Worten: Sie können SVG-Darstellungen vergrößern und verkleinern. Da SVG in XML definiert ist, werden die Grafiken erst im Browser erzeugt. Die Quelle ist ein reiner Text und kann von daher von jeder Suchmaschine auch erfasst werden. Die Text in SVG-"Bildern" sind Text. Sie können ihn normal markieren, kopieren etc. Zur Zeit brauchen Sie um SVG in Ihrem Browser zu betrachten noch wie bei Flash ein Plug-In. Diese sind wie bei Flash kostenlos. Es ist damit zu rechnen, dass neuere Browser SVG direkt ohne Plug-In darstellen können.

Fazit

Wenn Sie schon Flash einsetzen wollen, sollten Sie es nur tun, wenn Sie unbedingt besondere Animationen zu zeigen haben, die sonst nicht darstellbar sind.

Setzen Sie Flash-Elemente nur so sparsam wie möglich ein.

Beachten Sie immer, was passiert, wenn jemand kein Flash-Plug-In installiert hat.

Überlegen Sie den Umstieg von Flash auf SVG. Das wird der kommende Standard werden.

 

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